Bergische Morgenpost -27.01.2017

Für Pianistin Serra Tavsanli gehören Luther und Bach untrennbar zusammen. Die Pianistin trat selbst ans Rednerpult, um über Bachs Musik zu sprechen. Gerade heute, wo Konflikte zwischen Religionen unübersehbar seien, müsse man sich an Bachs universelle Musik halten.'Wo Bach ist, ist ein Glaube- welcher auch immer. Die gut 80 Zuhörer stimmten ihr zu- mit kräftigem Applaus.Musikerin und Rezitator ergänzten sich perfekt. Wie die schwarzen und weißen Tasten auf dem Klavier. Der Auftritt der beiden- sie im leuchtend weißen Kleid, er im schwarzen Anzug- ließ einen direkt an dieses Bild denken.
Auch mit ihrer musikalischen Auswahl bewies die junge türkische Pianistin, die fürs Musikstudium nach Deutschland kam und hier erfolgreich ihre Karriere begonnen hat, große Sensibilität und guten Geschmack.
All das und noch mehr forderte die Interpretation der " Chaconne" aus Bachs zweiter Violine- Partita. De diffizile mehrstimmige Struktur des Variationensatzes beherrschte sie durch makellos flüssiges Spiel.
Außer diesem Tastenfeuerwerk überzeugte Tavsanli auch als Meisterin des melodisch-sangeichen Spiels. Dem Kantatensatz " Weil die wollenreichen Herden" gab sie eine quicklebendige Stimme, dass das Publikum begeistert applaudierte. ES wurde sogar noch besser, Klangschön und doch pulsierend, zart und eindringlich zugleich- bei " Schafe können sicher weiden" traf Tavsanli genau den richtigen Ton. Es war dann nur noch ein kleiner Schritt hin zu einer Folge von Chorälen, die sie in eleganter Schlichtheit interpretierte.
Bach allein sollte es an diesem Abend freilich nicht sein. aLs Zugabe spielte Serra Tavsanli Musik von Mendelssohn und Schumann.